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Reckhaus & Co.

Warum jede Fliege zählt

Ohne Insekten hat die Menschheit keine Chance. Dr. Hans-Dietrich Reckhaus veröffentlicht am 1. Februar 2016 sein neues Buch „Warum jede Fliege zählt“. Zu wenigen Lebewesen pflegt der Mensch eine so zwiespältige Beziehung wie zu Insekten. Ausgerechnet ein Biozid-Hersteller weist nun auf den Wert und die Bedrohung dieser Tiere hin.

Das Buch (Download hier) beleuchtet das ambivalente Verhältnis zwischen Menschen und Insekten: Empfinden wir die Tiere eher als nützlich oder schädlich? Welchen Platz nehmen sie in der Welt und für die Vielfalt der Arten und Ökosysteme (Biodiversität) ein? Wie wirken sich Klimawandel und Bevölkerungsentwicklung aus: Wird die Zahl der Insekten zunehmen oder abnehmen?

Die Zahl und Vielfalt der Insekten gehen nicht nur in Europa dramatisch zurück, mit langfristigen Konsequenzen: „Ohne Insekten überlebt die Menschheit nur noch wenige Monate“, hat Dr. Hans-Dietrich Reckhaus durch den bekannten Insektenforscher Edward Wilson erfahren. Der Geschäftsführer des traditionsreichen Biozid-Unternehmens Reckhaus beschäftigte sich deshalb drei Jahre lang intensiv mit Nutzen, Schaden und Entwicklung von Insekten. Die Ergebnisse fasst er in seinem neuen Buch „Warum jede Fliege zählt“ zusammen.

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Medienmitteilung zum Erscheinen – Download als pdf

 

Deshalb verdienen Insekten mehr Respekt.

Es ist höchste Zeit, Insekten zu respektieren – gerade weil wir sie manchmal bekämpfen. Nicht nur bevölkerten Insekten die Erde schon Millionen von Jahren vor dem Menschen. Sie übernehmen auch viele wertvolle Funktionen. Edward Wilson, der renommierte amerikanische Entomologe, hat errechnet, dass wir ohne Insekten nur noch einige Monate überleben könnten.

Zehn gute Gründe, Insekten zu respektieren

Wozu gibt es eigentlich Insekten? Die Forscherin und Bestsellerautorin May Berenbaum hält diese Frage für äusserst unfair. Schliesslich fragt auch niemand nach dem Sinn von Singvögeln, obwohl es auf der Welt «nur» 10'000 Vogelarten, aber 900'000 bisher erforschte Insektenarten gibt.

Der Nutzen, den Insekten für die Natur und den Menschen stiften, ist ebenso vielseitig wie unschätzbar:

  1. Resilienz: Insekten geben der Natur mehr Widerstandskraft.

    Nur eine vielgestaltige Natur ist auch eine resistente Natur. Als artenreichste Tierklasse tragen Insekten massgeblich zur Biodiversität auf unserem Planeten bei. Weil sie den Kreislauf von Ernährung, Verdauung und Verwesung im Gleichgewicht halten. Weil sie Substanzen abbauen, die für andere Lebewesen schädlich sind. Und weil sie Flora und Fauna «anstacheln», mit immer besseren Strategien auf die Intelligenz der Insekten zu antworten.

  2. Bestäubung: Insekten halten die Pflanzenwelt am Leben.

    Nicht nur die fleissigen Bienen, auch Mücken, Fliegen und viele weitere Insekten tragen durch Bestäubung oder Samentransport zur Fortpflanzung der Flora bei. Bis zu 75% unserer Kulturpflanzen und bis zu 90% aller Wildpflanzen sind auf Insekten angewiesen. Diese Leistung ist Geld wert: Experten schätzen zum Beispiel den wirtschaftlichen Nutzen der Bestäubung auf 265 Mia. Euro pro Jahr.

  3. Ökosystem: Insekten sind ein wichtiger Teil der Nahrungskette.

    Insekten sind wichtige Elemente der Nahrungskette: Die meisten Vögel, Süsswasserfische, Reptilien und Amphibien sowie diverse Säugetiere sind bei der Ernährung auf Insekten angewiesen. So ernährt sich z.B. der Mauersegler (Apus apus) von mehr als 500 Insektenarten wie Blattläusen, Hautflüglern wie Bienen und Ameisen, Käfern, Fliegen und von Spinnentieren. Fütternde Brutpaare sammeln für ihre Kleintiere pro Tag über 20.000 Insekten. Auch viele Säugetiere ernähren sich von Insekten, wie z.B. Igel. Selbst im Wasser geht es nicht ohne Insekten: Die Nahrung von Süsswasser-Speisefischen besteht bis zu 90% aus Insekten-Larven. Auch Insekten fressen Insekten, was sich die Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft zunutze macht. Über 50 Insektenarten werden heute speziell dafür gezüchtet und gewerblich vertrieben.

  4. Futter und Essen: Insekten sichern die Welternährung.

    Rund ein Drittel aller Nahrungsmittel geht auf die Bestäubung durch Insekten zurück. Obstpflanzen, niederwüchsige Früchte und Gemüse sind ohne Insekten nicht vorstellbar. Ohne Insekten wäre selbst ein Cheeseburger nur ein Brötchen, denn Rinder ernähren sich am liebsten von Futterpflanzen, die von Insekten bestäubt werden. Und wussten Sie übrigens, dass Mücken die einzigen Bestäuber des Kakaobaums sind, so dass in jeder Schokolade auch die Arbeit von Insekten steckt? Doch das ist nicht alles: Die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der UNO betrachtet den Verzehr von Insekten als zukunftsreiche Lösung auf dem Weg zu einer nachhaltigeren globalen Ernährung.

  5. Hygiene: Insekten befreien uns von «Müll».

    Ohne Insekten hätten wir ein grosses Hygieneproblem. Was passiert z.B. mit all den Kuhfladen auf unseren Weiden? Insekten, die sich von Kot ernähren, kümmern sich um die Misthaufen. Man nennt sie Koprophagen. Manche Insekten setzen direkt ihre Eier in den Kot und leben dort, andere graben bis zu zehn Zentimeter tiefe Stollen und ziehen mit dem Kot dort ein. Skarabäus-Käfer bringen diesen sogar viele Meter weit weg, um ihn in Schutz vor Konkurrenten in Ruhe zu sich zu nehmen.

  6. Böden: Insekten machen unsere Erde fruchtbar.

    Wie die Regenwürmer gehören auch die Insekten zum Stamm der Gliederfüsser. Und wie die Regenwürmer sind viele Insekten an der Umlagerung, Durchmischung und Durchlüftung des Erdreichs beteiligt. Dies fördert die «Atmung» des Bodens und die Wurzelbildung der Pflanzen. Indem sie organische Substanzen zersetzen, tragen Insekten aber auch direkt zur Humusbildung und zur Fruchtbarkeit des Bodens bei.

  7. Kleidung: Insekten sind für die Textilproduktion unabdingbar.

    Ohne Insekten würden wir ziemlich nackt dastehen. Das bezieht sich nicht allein auf die Seide, die von einem Insekt produziert wird. Ohne die aktive Mitwirkung von Insekten könnte auch die Baumwollpflanze nicht gedeihen. Dasselbe gilt zudem für Lederwaren, denn die Tiere, aus deren Haut wir das Leder gewinnen, sind auf Futterpflanzen angewiesen – und diese wiederum auf die Arbeit von Insekten.

  8. Industrie: Insekten produzieren Chemikalien.

    Insekten helfen der Industrie bei der Chemieproduktion: Die schmierige Haut der Schmier- und Mehlläuse wird für die Wachsproduktion verwendet und Deckelschildläuse liefern Harz. Besonders bekannt ist die Schildlaus Laccifer lacca. Der aus ihr gewonnene „Schellack“ haftet an vielen Oberflächen, hat eine gute thermische Plastizität und geringe Empfindlichkeit gegen viele Lösemittel und ist biologisch abbaubar. Das Produkt wird heute weltweit in vielen Formen zum Isolieren, Vergällen und Versiegeln eingesetzt: elektrische Geräte, Schuhcremes, Haarsprays, Nagellack, Bodenpolituren, Druckfarben usw.

  9. Medizin: Insekten können heilen und Heilpflanzen bestäuben.

    Die meisten gesundheitsfördernden Pflanzen kommen ohne die Bestäubung durch Insekten nicht aus, zum Beispiel Baldrian, Lavendel, Melisse, Eukalyptus, Kamille, Johanniskraut und Salbei. Der weltweite Markt für Heilpflanzen wächst seit Jahren mit zirka zehn Prozent und beträgt heute rund 100 Milliarden US-Dollar. Aufgrund des Auftretens von multi-resistenten Keimen, für die die Medizin keine sichere Behandlung hat, gewann die Madentherapie in den letzten Jahren wieder an Bedeutung. Auch Bienengift wird bereits seit 1930 in der Medizin erfolgreich gegen Arthritis eingesetzt.

  10. Forschung: Insekten sind wissenschaftlich äusserst wertvoll.

    Motten können bis zu 100 mal feiner als wir Menschen riechen, Ameisen können ein mehrfaches ihres Körpergewichtes tragen, Mücken trotzen mühelos der Kraft von grossen Regentropfen und Käfer orientieren sich zuverlässig ohne elektronisches Navigationssystem an den Sternen. Warum leuchten Glühwürmchen, wie schaffen es Springschwänze luftdurchlässig und gleichzeitig gegen Reibung robust zu sein und wie leben Ameisen in Gemeinschaften mit bis zu 800.000 Individuen friedlich zusammen? Insekten sind interessante Tiere, von deren Erforschung wir viel lernen können.

Nicht zuletzt ist der Respekt vor Insekten eine ethische Frage, die jede und jeder von uns persönlich beantworten muss. Die Antwort von Insect Respect: Wo immer wir nicht vermeiden können, Insekten zu bekämpfen, müssen wir diesen Eingriff in das Ökosystem durch Ausgleichsflächen kompensieren.

 

Näheres und Weiteres zum Wert der Insekten

Für noch mehr gute Gründe, Insekten zu respektieren, legen wir Ihnen die Lektüre der folgenden Publikationen ans Herz:

Schädlinge oder Nützlinge?

Unsere Zusammenstellung zeigt anhand von zahlreichen Fakten auf, dass Ameisen, Stechmücken, Kleidermotten und Schaben viel wertvoller als ihr Ruf sind.
Faktenblatt öffnen (PDF)

Unerwarteter Weltuntergang

In diesem faszinierenden Beitrag des Monatsmagazins «NZZ Folio» erklärt die Entomologin May Berenbaum, warum die Welt ohne Insekten ins Chaos stürzen würde.
Artikel öffnen (PDF)

Bye bye Biene?

Der Expertenbericht der Umweltorganisation Greenpeace und der Universität Exeter (England) belegt die Risiken, die das Sterben von Bienen und anderen Bestäubern für die europäische Landwirtschaft hat.
Bericht öffnen (PDF)

Kleine Paradiese

Zwischen den Bewohnern der Natur existiert ein Netzwerk vielfältiger Beziehungen. Eine dreiteilige Dokumentation des Schweizer Fernsehens beleuchtet die Rolle der Insekten im Konzert des Lebens auf fabelhafte Weise.

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